Die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten

Die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten vertritt bundesweit die Interessen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen und Universitäten. Seit über zehn Jahren ist sie aktiv an der Verbesserung der Situation der Lehre beteiligt. Zusammen mit der Deutschen Orchestervereinigung wirkt sie auf der Ebene der politischen Entscheider und steht im Austausch mit der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen

Die Ergebnisse der Umfrage von 2012

Im Sommersemester 2012 führte die BKLM eine informelle Umfrage durch. Von den damals 4.827 Lehrbeauftragten an den 24 deutschen Musikhochschulen haben sich insgesamt 1.456 von 23 Musikhochschulen beteiligt. Die Ergebnisse:

Fast 45% der Umfrageteilnehmenden unterrichten insgesamt länger als 10 Jahre, das heißt, ein großer Teil der Lehrbeauftragten sind Langzeit-Dozenten, die durch ihre langjährige Erfahrung für den Unterrichts- und Prüfungs-Betrieb der Hochschulen nahezu unverzichtbar sind.

Fast 60 % geben an, dass der Lehrauftrag ein existentiell wichtiger Teil ihres Einkommens ist. Gleichzeitig geben über 60 % an, noch ein anderes vertragliches Arbeitsverhältnis zu haben. Dies stellt keineswegs einen Widerspruch dar; es ist vielmehr ein Hinweis auf die typischen beruflichen Patchwork-Existenzen, die aus mehreren Teilen bestehen. Keiner dieser Teile allein ist ausreichend zur Existenz-Sicherung, jeder dieser Teile ist unverzichtbar.

Lediglich etwa 13,4 % sind durch eine hauptberufliche Tätigkeit im Bereich Orchester / Theater abgesichert. Dies ist besonders interessant, da oft das Argument genannt wird, dass Lehrbeauftragte in großer Anzahl in Orchestern, Chören, Theatern abgesichert seien, was offensichtlich so nicht stimmt.

Ca. 79 % geben an, an einer festen Stelle (Teilzeit und/oder Vollzeit) interessiert zu sein.

Etwa in Drittel wird zu administrativen Tätigkeiten herangezogen, die nur teilweise vergütet werden.

Aus einzelnen handschriftlichen Ergänzungen wird zudem deutlich, dass zahlreiche Lehrbeauftragte die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit beklagen.

11. BKLM 2020

Rostocker "Ruf nach Gerechtigkeit"

10 Jahre bklm: 
Der „Lehrauftrag“ im Spannungsfeld zwischen Realitätsverlust und Überlebenskampf.

Die Vergütung einer Tätigkeit vollzieht sich 
- entweder in Geld (zu Lasten arbeitsvertraglicher Sicherheit) 
- oder in Sicherheit (zu Lasten des Geldes).

Die Teilnehmer der 11. bklm kommen zu der ernüchternden Erkenntnis:

Lehrbeauftragte werden adäquat weder in Geld noch in Sicherheit vergütet.

  • Das Honorar ist nicht auskömmlich.
  • Der Fortführung des Lehrauftrags ist von Wohl und Wehe der Hochschule abhängig.

10. BKLM 2019

Stuttgarter Reformatio

Im zehnten Jahr ihres Bestehens und Wirkens hat sich die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an deutschen Musikhochschulen (BKLM) zum Ziel gesetzt, zur Verbesserung der unfairen Arbeitsbedingungen von Lehrbeauftragten einen Appell an Politik und Hochschulleitungen zu richten.

Der Freiraum der Lehrbeauftragten

weitere Erläuterungen

Der Staat hat einer Arbeitswelt Raum gegeben, die das mühevoll erkämpfte Arbeitsrecht aushebelt und die Lehrenden entrechtet. Die Regierungen in Land und Bund haben einen Rechtsraum „eigener Art“ geschaffen, in dem sogar das Verfassungsrecht nicht relevant erscheint. Mit zu wenigen Stellen an den Hochschulen zwingt der Staat die meisten Künstlerlehrer in die Freiberuflichkeit. Gleichzeitig schränkt er diese "Freiberuflichkeit" mit dem für Beamte geschaffenen Verwaltungsrecht massiv ein. Lehrbeauftragte müssen deshalb zu oft unter einem Mindestmaß an sozial gerechten und menschlichen Arbeitsbedingungen arbeiten.

2016 "Dresdner Erklärung"

Ohne Lehrbeauftragte würde der Lehrbetrieb an den Musikhochschulen kollabieren. 40-60 % des Unterrichts wird dort von Lehrbeauftragten erteilt. Die Gesellschaft ist auf diese Dienst angewiesen und nimmt sie dankbar in Anspruch. 

Anders als bei festangestellten Dozenten wurde die Vergütung der Lehraufträge in den vergangenen Jahrzehnten nur teilweise an die allgemeine Lohnentwicklung angeglichen. Deshalb erhalten Lehrbeauftragte heute für ihre Arbeit nur ca. 22-44 % dessen, was vergleichbare festangestellte Dozent*innen verdienen. 

2012 "Mindeststandards der Arbeitsbedingungen"

Vorlage der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen zur Rektorenkonferenz in Düsseldorf am 06.06.2012

Stellungnahme der Rektorenkonferenz

Stellungnahme der Kultusminister


2011 "Frankfurter Resolution"

Lehraufträge an deutschen Musikhochschulen sollten ursprünglich der Ergänzung des Lehrangebots dienen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Weit über die Hälfte des Unterrichts wird - bereits seit Jahren - von Lehrbeauftragten erteilt, so dass nur noch von einer Sicherstellung des Lehrangebots durch Lehraufträge gesprochen werden kann.